Bibliothek 21: Fassade fertig

Die Doppelfassade des Bibliotheksneubaus ist nahezu fertig gestellt: Vor der gläsernen Innenfassade wurden in den letzten Monaten die Glasbausteinfelder mit Fensteröffnungen angebracht. Mit dieser zweiten Fassade grenzt der Architekt Eun Young Yi, der die neue Bibliothek bewusst als introvertiertes Bauwerk konzipiert hat, die Welt der Bildung und Kultur gegen die Hektik der Außenwelt ab.
Zwischen den beiden Fassaden ist ein begehbarer Raum entstanden, der die Grenze zwischen Innen- und Außenwelt erlebbar macht. Hier können die Bibliotheksbesucher künftig flanieren und aus den Fenstern die Stadt betrachten. Der Gegensatz von Zonen des Rückzugs und der öffentlichen Begegnung durchzieht als räumliches Thema das ganze Gebäude.

Bestandteil der Außenfassade ist auch eine an allen vier Seiten angebrachte Friesbeschriftung. Sie ist Teil der Architektur und gibt das Wort „Bibliothek“ in vier verschiedenen Sprachen wieder: Auf der Nordseite in Deutsch, auf der Westseite in Englisch, auf der Südseite in Arabisch und auf der Ostseite in Koreanisch. Neben Deutsch als Landessprache und Englisch als Weltsprache begründet sich das Arabische – stellvertretend für alle anderen außereuropäischen Kulturen – durch seine vielfältigen Bezüge zur europäische Wissenschafts-, Geistes- und Kulturgeschichte. Außerdem ist dies auch eine kleine Hommage an die Partnerstadt Kairo und die berühmteste aller Bibliotheken in Alexandria. Das Koreanische verweist auf die Heimat des Architekten der neuen Bibliothek: Professor Eun Young Yi stammt aus Südkorea und lebt zeitweise in Seoul. Die Ausrichtung der Inschriften folgt den Himmelsrichtungen der jeweiligen Sprachräume. Die an der Nordseite angebrachte, deutsche Inschrift weist zum künftigen Mailänder Platz hin, der nach seiner Fertigstellung die Hauptzugangsseite zur neuen Bibliothek darstellen wird.

Die viersprachige Außenbeschriftung symbolisiert zugleich die Internationalität der Stadtbücherei, die mit Eröffnung der neuen Bibliothek eine weitere Betonung und Akzentuierung erfahren wird. Die Stadtbücherei Stuttgart versteht sich als interkulturelle Bibliothek für alle Bürgerinnen und Bürger. In dem von der Stadtbücherei Stuttgart jüngst erstellten Leitfaden für interkulturelle Bibliotheksarbeit heißt es dazu: „Mit ihren Angeboten trägt die Stadtbücherei Stuttgart der Pluralisierung von kulturellen Lebensformen und sozialen Milieus Rechnung und gestaltet das Zusammenleben in der multiethischen und vielsprachigen Stadtgesellschaft aktiv mit. Die Stadtbücherei engagiert sich für ein lebendiges, tolerantes Miteinander in Stuttgart, für einen gelingenden Kontakt und Austausch zwischen Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte, für ein tieferes Verständnis der jeweils eigenen und fremden Kultur und für die Entstehung eines Dazwischens.“

In der neuen Bibliothek wird belletristische Literatur in mehr als 20 verschiedenen Sprachen angeboten. Berücksichtigt werden dabei neben dem deutschen Sprachraum vor allem die Kulturkreise der Mitbürger, die in Stuttgart leben und aus anderen Ländern hergekommen sind. Um Sprachen zu lernen, bietet die neue Bibliothek Selbstlernprogramme zur Ausleihe in mehr als 80 Sprachen an. Darüber hinaus wird es internationale Tageszeitungen aus vielen Ländern geben.

Auch das Veranstaltungsprogramm ist international ausgerichtet: Beispielsweise bietet die Zentralbücherei im Wilhelmspalais schon heute regelmäßig die Möglichkeit der Beschäftigung mit der Literatur aus zahlreichen europäischen Ländern. Kooperationspartner sind dabei ausländische Kulturinstitute und -vereine, die Universität und die Migrantenvereine. (Autor: Stadt Stuttgart)

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Comments
5 Responses to “Bibliothek 21: Fassade fertig”
  1. etepetepu sagt:

    Zu Zeiten der Bibliothek von Alexandria gab es griechisch und lateinisch als Wissenschaftssprache, aber nicht arabisch. Griechisch hätte an die Fassade gehört βιβλιοθήκη!
    Vielleicht ist es ja eine Hommage an Hany Azer…

  2. etepetepu sagt:

    Arabisch als „Hommage an die berühmteste aller Bibliotheken in Alexandria“? Oder ein ignorantes MultiKultiHappening?

    Zitat aus Wikipedia zur Bibliothek von Alexandria: „Da nach islamischer Auffassung die übrigen Werke notwendigerweise nur das wiederholten, was sowieso bereits im Koran stehe, seien sie folglich ebenfalls überflüssig, und hätten deshalb ebenfalls guten Gewissens vernichtet werden können. “ Das Arabische wird im Bezug auf seine Bedeutung für die Wissenschaft überschätzt.

  3. Florian Teubner sagt:

    Prima, dass die neue Bibliothek bald fertig ist – ich freue mich schon auf den ersten Besuch und finde, dass die neue S21-City damit schon ein erstes tolles Wahrzeichen hat. Ich hatte bisher noch keine Zeit, mir den Bau genau anzusehen, finde es aber ungerecht und lächerlich, wie verbohrte S21-Verhinderer jetzt schon wieder dagegen sind: Das Gebäude ist ja noch nicht mal ganz fertig verputzt; wie man auf den Entwurfsbildern sieht, bekommt es am Ende ja eine strahlend weiße Farbe und sieht dann noch viel funkelnder und freundlicher aus! Stuttgart braucht neben dem Tiefbahnhof und der Bibliothek noch mehr solche Symbole des Fortschritts, und nicht immer nur die Konservierung des Rückständigen: Ich ärgere mich zum Beispiel auch immer über den alten Säulenbau der Oper beim Stadtparksee: Ein altbackenes Gebäude, in dem nur Musik gespielt wird, die von meiner Generation ganz gewiss keiner mehr hören will. Stuttgart muss endlich mehr für Menschen zwischen 18 und 35 machen, und S21 kann da nur ein Anfang sein. ich freue mich auf ein neues, modernes Stuttgart, das endlich die alten Zöpfe abschneidet!!!

  4. Franziska-Recht-Geber sagt:

    Der Meinung bin ich auch. Stuttgart benötigt zwar wohl aus Platzgründen ein neues Gebäude, aber für meinen Geschmack, hätte ein günstigeres und schöneres gebaut werden können.

  5. Dr. Franziska Ehinger sagt:

    Merkwürdig, daß für Bibliotheksbauten Geld verschwendet wird, wo doch ohnehin kaum mehr jemand liest. Haben Sie schon einmal gesehen, wer in Stuttgarts Bibliotheken (LABI, Uni-Bib. Stadtbücherei) sitzt? Obdachlose, die es im Winter warm haben wollen.
    Es wäre besser gewesen, Sie hätten das Geld gespart, um die Öffnungszeiten der Universitätsbibliotheken zu verlängern und den Bücherbestand der existierenden Büchereien zu verbessern…

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